Donnerstag, 29. Dezember 2011

29.12.2011

 Hallo ihr Lieben,

da bin ich mal wieder.

Ich erzähle Euch heute etwas von den Sozialarbeitern, bei denen ich die letzten 2 Wochen immer wieder mal dabei war.
Deren Arbeit finde ich persönlich besonders toll, da es wirklich die Menschen weiter bringt, die von Regierungsprogrammen u.Ä. kaum profitieren können.
Die Regierung tut zwar schon etwas, die Hilfen sind jedoch meines Erachtens nur halb durchdacht. Beispielsweise gibt sie HIV-Medikamente an Erkrankte Personen aus, wie die aber dahin kommen oder wie sie das erforderliche Tewstergebniss bekommen sagt ihnen niemand. Sie müssten dazu in eine 100 km entfernte Stadt fahren, was einen Dorfbewohner ein Vermögen kostet. Diese Lücke wird zum Beispiel von den Sozialarbeitern geschlossen. Sie führen Blutproben direkt vor Ort durch, registrieren Infizierte, holen Medikamnte und liefern die ins Dorf usw.

Außerdem besuchen sie die Dörfer regelmäßig und untersuchen alle Schwangeren im Ort und auch sonst jeden, der Beschwerden hat. Diese Besuche können nur alle 1-2Wochen stattfinden, da die Wege dorthin sehr lange dauern und das Personal knapp ist. Das Social Department hier betreut 41 Dörfer und hat 6 Mitarbeiterinnen (plus einen Labortechniker). Neben der Gesundheitsfürsorge kümmern sie sich darum, dass die Familien wirtschaftlich etwas auf die Beine kommen. Zu diesem Zwecke haben sie zum Beispiel sog. Selbsthilfegruppen für Frauen errichtet. Eine Gruppe besteht aus je 10-12 Frauen aus einem Dorf.
Pro Dorf gibts es je nach Größe bis zu 10 Gruppen, wovon jede eine Leiterin besitzt die lesen und schreiben kann. Die Sozialarbeiter unterstützen diese dann in formalen Angelegenheiten.

 Die Regierung bietet sehr günstige Kredite für agrartechnische Geräte, die Frauen haben davon jedoch keine Ahnung und wären mit einem Antrag total überfordert. Hier treten dann die Sozialarbeiter ein. Ansonsten arbeiten die Gruppen mittlerweile relativ selbständig. Hat aber ganze 25 (!!!!) Jahre gedauert bis dieser Zustand so wie er jetzt ist erreicht war.



Beispiele für solche Investitionen sind Mehlmahlmaschinen s. rechts,

diverse Ackerbearbeitungsgeräte oder die Errichtung von  Hühnerfarmen oder Ähnlichem s. unten.















Die Frauen bewirtschaften dann Felder bzw. Farmen gemeinsam und durch die gesteigerte Produktion können sie Waren auf dem Markt verkaufen. Auch wird ihnen Unterstützung gegeben zur Ertragssteigerung auf den Äckern. Dem Ganzen voran ging die jahrelange Überzeugungsarbeit der Sozialarbeiter, dass auch Frauen das Recht haben sich zu Äußern und deren Selbstbewusstsein und Selbstverständnis musste grundlegend geändert werden. 

Dann habe ich noch das sog. Watershed-project besucht.

Zwei Ingenieure haben mir ganz stolz den rechts abgebildeten Damm gezeigt und ich habe mir gedacht das kanns ja nicht gewesen sein. Es waren weder brauchbare Mengen an Wasser zu finden, noch irgendwelche sonstige Nutzen für mich erkennbar. Dann hat man mir glücklicherweise den Nutzen erklärt. Diese Wälle stauen das Regenwasser v. A. zur Monsunzeit an, damit es in den Boden eindringen kann. Ansonsten würde es über den ausgetrockneten Boden ins Tal abfließen. Dadurch wird eine bestimmte Menge sozusagen gezwungen zu versickern und dadurch wiederum wird der Grundwasserspiegel bedeutend erhöht.

Es werden dann zusätzlich Brunnen (siehe Bild unten) gebaut, aus denen die Menschen dann das Wasser pumpen können um ihre Felder zu bewässern.





Von diesen Dämmen gibt es eine ganze Menge, teilweise sind die auch nicht sichtbar, weil sie an Hängen liegen und von Büschen verwachsen sind.

Im Hintergrund des Damms auf dem Bild oben kann man sehr gut erkennen, dass dort grüne Felder sind, was in der momentanen Jahrezeit nur dort möglich ist, wo Bewässerungsanlagen gebaut wurden.
So können die Bauern auch in der Dürrezeit Waren anbauen und verkaufen.


Dies sind nur einige  Beispiele davon, was die Sozailarbeiter in den Dörfern so machen. Aber jedes Beispiel aufzuzählen würde wirklich zu weit führen und ich habe leider auch nicht mehr viel Zeit noch weiter auszuschweifen, da ich mich heute auf die Socken nach Mumbai mache, in der Hoffnung, dass dort an Silvester vielleicht ein bisschen mehr los ist als hier bei uns :-).
Ich denke da könnte ich Glück haben. Von 20 Mio. werden dann doch hoffentlich ein paar ein bisschen feiern.
Ich melde mich im neuen Jahr wieder und wünsche Euch allen einen guten Rutsch, Gesundheit, Glück und Zufrieden im nächsten Jahr.

Viele Grüße,
Christina

Montag, 19. Dezember 2011

19.12.2011

Hallo ihr Lieben,

sorry mal wieder wegen der langen Zeit, aber ich war viel unterwegs...

Also die ersten Tage der vergangenen Woche habe ich im Delivery-room zugebracht. Da war richtig was los. Das Krankenhaus hat im Durchschnitt 400 Geburten pro Monat.
Der Kreißsaal hat 10 Betten, eines neben dem anderen. Man entbindet neben anderen Frauen, völlig unspektakulär. Direkt nach der Entbindung wird das Baby gleich der Mutter der Mutter oder deren Schwiegermutter gegeben. Die eigentliche Mutter bekommt es gar nicht zu Gesicht und das stört sie auch nicht wirklich. Sieht ein bisschen so aus als wenn sie nur einen Job erfüllt hätte. Also sehr unromantisch das Ganze. Nichts mit netter Hebamme und Baby anschauen und freuen und Papa dazu und so. Wer nicht binnen 1-2 h entbunden hat bekommt einen Dammschnitt und das Baby wird rausgeholt. Zur Not steigt auch mal eine Schwester auf die Pritsche und drückt von oben mit aller Kraft auf den Bauch damit es schneller geht. Hat ein bisschen was von einer Reanimation finde ich. Habe dort zur Rettung der letzten verbleibenden Intimsphäre der Frauen keine Fotos gemacht.

Dann war ich einen Tag in Pathardi, da ist eine Geburtsstation die auch von den Schwestern betrieben wird. Auch dort werden 300-400 Babys monatlich geboren.


Da gibts nur einen Kreißsaal mit 15 Betten und Kaiserschnitte werden zu uns nach Shevgaon geschickt. Ein Teil ist links abgebildet, wobei man sagen muss, dass er schöner ist als der im Krankenhaus in Shevgaon. Bei uns stehen nur metallene Liegen ohne Kissen in Reih und Glied und die Plastikvorhänge werden nicht zugezogen.
Übernachten kann man hier nicht.





Es gibt nur 4 Betten, für Mütter die nach der Geburt nicht gleich so fit sind dass sie gehen können, aber die sind wirklich nur für max. 3-4 h nach der Entbindung gedacht.


Vor der Entbindungsstation hat man ein Dach gebaut, wo die werdenden Mütter die kurz vor der Geburt stehen warten und übernachten können. Schaut ein bisschen aus wie ein Fahrradunterstand.

Gleich an der Straße hat sich ein kleiner "Imbiss" angesiedelt, der für die Frauen Essen zubereitet und ihnen auch nachts zur Verfügung steht.





 
Donnerstag war ich dann mit beim HIV-Projekt. Da kommen infizierte Personen alle 2 Wochen hin, bekommen zu Essen und zu Trinken und die Medikamentenration für die folgenden 14 Tage. Außerdem werden alle gewogen, Hautausschläge, Abszesse und ähnliches versorgt und ein Arzt ist anwesend, der bei besonderen Beschwerden tätig wird.











Freitag habe ich Paithan besucht. Das ist eine kleine Stadt nördlich von uns. Das Sehenswerteste daran ist der Stausee. Man hat einen wirklich großen Damm gebaut, der das Wasser des Godavari (siehe Bild unten) staut. Von dort aus werden weite Regionen mit Wasser versorgt, unter Anderem Shevgaon, also da wo ich derzeit bin.







Der See hat wirklich glasklares Wasser und ist so groß dass man das andere Ufer nicht erkennen kann. Liegt vielleicht auch an der Luftverschmutzung.

Ich habe mal ein bisschen mit den Füßen geplantscht, aber mehr ist nicht drin. Man geht in Indien nicht wirklich baden, also zumindest nicht hier in der Region. Es war wirklich sehr heiß und ich wäre am Liebsten reingesprungen, aber das schickt sich so gar nicht. Das Beinkleid so weit anzuheben war auch nur möglich, weil niemand in der Nähe war.
 
Ansonsten haben wir noch die Paithani-Saris angeschaut. Sind in Indien sehr bekannt. Sie werden auf eine spezielle Art gewebt und es werden Goldfäden und Seide verwendet (Wikipedia kann euch mehr dazu verraten falls Interesse besteht).

Im Bus nach Hause wurden wir dann von einem betrunkenen Inder im mittleren Alter belästigt, was mal den ganzen Bus zu einem schreienden Haufen verwandelt hat. Da haben wir wohl ungewollt für etwas Stimmung gesorgt. Nach 20 Minuten Diskussion haben sie ihn dann endlich rausgeschmissen und wir konnten auch schon losfahren.

Ansonsten habe ich nichts besonderes erlebt, Weihnachtsplätzchen für die lieben Schwestern gebacken und mein erstes indisches Bierchen eingenommen :-). Kingfisher strong rockt! Die Beschaffung war äußerst prekär, worauf ich an dieser Stelle nicht näher eingehen kann ;-).

Ich wünsche noch eine schöne Vorweihnachtszeit, viel Schnee und gute Pisten (NEID!),

Eure Christina

Freitag, 9. Dezember 2011

09.12.2011

Hallo meine Lieben,

da bin ich wieder. Leider bin ich wegen meines neuen Freundes, einem Abszess in der Axilla derzeit ausser Gefecht gesetzt. Man glaubt der hat sich wegen der Keime im Dusch-Wasser entwickelt, die unser schwaches Immunsystemn nicht gewohnt ist. Es ist allerdings allen unerklärlich wie ich den jetzt im "eisigen Winter" entwickeln konnte, wo die Einheimischen den doch nur im Sommer bekommen. Ein Bild von ihm erspare ich Euch an dieser Stelle. Bei Interesse einfach Kommentar anfügen :-)

Gestern war das Krankenhausfest. Es war ziemlich viel los, eine Menge von Aufführungen, viel zu Essen und das wars dann auch schon wieder. Komischer Weise laufen alle Feste ähnlich ab. Man isst eine Menge, dann gibt es ein paar Reden und Aufführungen und dann ist alles sofort vorbei. Alle gehen heim. Ein lustiges Beisammensein wie bei uns fehlt irgendwie. Da lobe ich mir unser berauschendes Betriebsfest im BKH Regensburg ;-).

Auf vielfachen Wunsch werde ich nun mal meine Tätigkeiten im KH aufführen:

7.30 Uhr: Dienstbeginn, kurze Übergabe (ca. 2 min. für 80 Patienten),

danach Betten machen: Das heißt hier Laken umdrehen! Ich konnte es anfangs gar nicht glauben, aber die drehen hier wirklich Tag für Tag fleißig die Laken um. Decken werden ausgeschüttelt (das sind auch Laken).


Teilweise reichen die auch nicht und Angehörige bringen irgendwelche Stoffe mit, sehr beliebt alte Saris, weil die so groß sind. Die waschen sie dann hier im Innenhof und hängen sie an der Leine oder im Gebüsch auf.
Deswegen sieht es rund ums Krankenhaus so aus.


Für was noch alles alte Stoffe hergenommen werden erspare ich Euch. Nur so viel: auf der Wöchnerinnenstation sind sie viel im Einsatz....







So, nach dem Betten machen kommt die Injektions-Runde. Es bekommen ca. 80 % der Patienten
i. v.-Medikamente. Überwiegend Atibiotika und Ranitic für den Magen. Da ich derzeit selbst Antibiotika nehmen muss kann ich sagen das Ranitic ist äußerst sinnvoll. Habs einmal weggelassen und das war gar nicht gut!
Mit dieser Runde ist man ca. 2 Stunden beschäftigt. Viele Antibiosen müssen im Zimmer aufgelöst werden weil die Patienten diese selbst kaufen müssen und so selbst haben. Viele brauchen wieder neue Rezepte weil sie keine mehr haben. Das wird alles irgendwie nicht richtig geplant. Dann laufen die erst mal los und besorgen neue usw. Dann verbringt man sehr viel Zeit mit Braunülen-Legen. Die Zugänge halten hier immer nur 2 Tage. Ich weiß nicht warum, könnte mir aber vorstellen dass es mit den vielen Antibiosen zusammenhängt. Außerdem werden die immer mit nur 5-10 ml sterilem Wasser aufgelöst und direkt gespritzt. Kurzinfusionen gibts kaum.
Erschwert wird das Ganze zusätzlich durch die vielen Patienten pro Zimmer und durch die Angehörigen. Erst mal muss man rausfinden werd Angehöriger ist und wer Patient und dann Namen rufen. Die Reaktionen sind meist ein kleinlautes piepsen von "ho", was ja bedeutet. Die kriegen einfach den Mund nicht auf, auch nicht bei den einheimischen Krankenschwestern. Und man ruft heir alle mit Vornamen, was heißt dass pro Zimmer schon mal 3 oder 4 mit dem gleichen Namen liegen können. Dann piepsen halt 4 "ho". Naja, äußerst durcheinander irgendwie.



Leichter wirds ab 9 Uhr. Da läuft einer der Watchmen mit einer Trillerpfeife durch die Stationen und schmeißt die Angehörigen für 1-2 Stunden raus. Dann sperrt er das Tor zu und man hat ein bisschen mehr Ruhe.

Das Gittertor im Hintergrund ist sein Arbeitsplatz. Wenn das zugesperrt ist tummeln sich da die ganzen Angehörigen und betteln wieder rein zu dürfen. Obwohl das täglich das selbe Spiel ist geben sie nicht auf. Hat irgendiwe was vom VIP-Eingang bei Teenie-Konzerten.








Nach der Spritzenrunde ist dann auch schon Tee-Pause. Eine halbe Stunde. Danach laufen die Visiten, OP-Vorbereitungen, Blutentnahmen und Verbandswechsel. Für Letzteres gibt es einen extra Raum. Habe leider kein Foto davon. Da warten die Schwestern dann bis die Patienten nach und nach auflaufen. Ob die gehen können oder nicht oder wie die dahion kommen ist das Problem der Angehörigen, wie so Vieles.

Dann ists auch schon 12.30 Uhr und Zeit für Mittagessen und Siesta.

Um 16 Uhr gehts dann weiter. Zu Beginn eine Übergabe (ca. 1 min.) und dann die Abend-Injektionsrunde. Selbes Spiel wie am Morgen. Bis 18.30 ist man damit fertig und dann evtl. noch eine halbe Stunde Tupfer-Rollen und dann Feierabend um 19 Uhr.

Also pflegerische Tätigkeiten wie wir sie in Deutschland kennen fallen gänzlich weg. Das haben die Angehörigen zu erledigen. Wenn man hier einen Katheter zieht, dann wird der einfach entblockt und man ist fertig. Den Rest machen die Relatives. Prima. Für Transfers von der OP-Liege ins Bett oder so werden auch mal ein paar Leute auf dem Gang angeheuert. Die Schwestern sagen ihnen dann was sie zu tun haben und stehen daneben und schauen mit kritischen Blicken zu. Sehr rückenschonendes Arbeiten hier. Besser wie jede Kinästhetik ;-). Aber auf Dauer wenig anspruchsvoll und nicht erfüllend. Da der gemeine Inder, wie ich ihn kennengelernt habe jedoch stets zufrieden ist und eh keine Lust auf anspruchsvolle Sachen hat, sind die hier ganz glücklich mit ihrem Job.

Da bin ich mal tierisch froh, dass ich mich nicht meinem Schicksal fügen muss und bald wieder zu Hause in good old Germany der beruflichen Erfüllung nachhechten kann ;-).



So zu guter letzt noch ein Bild von einem Stationsteam:
Auf dem Bild sieht man eine Krankenschwester (im blauen Sari), eine Stationshilfe (lila Sari) und einen Pfleger im klassisch indischen Outfit :-).

Also Papa keine Angst, ich werde keinen Inder heiraten sondern ganz sicher wieder nach Hause kommen :-)





So, genug für heute. Ich wünsche Euch was, genießt die Weihnachtsstimmung für mich mit, gerne auch mit ein paar Glühlis:-).

Bis bald,
Christina