Donnerstag, 29. Dezember 2011

29.12.2011

 Hallo ihr Lieben,

da bin ich mal wieder.

Ich erzähle Euch heute etwas von den Sozialarbeitern, bei denen ich die letzten 2 Wochen immer wieder mal dabei war.
Deren Arbeit finde ich persönlich besonders toll, da es wirklich die Menschen weiter bringt, die von Regierungsprogrammen u.Ä. kaum profitieren können.
Die Regierung tut zwar schon etwas, die Hilfen sind jedoch meines Erachtens nur halb durchdacht. Beispielsweise gibt sie HIV-Medikamente an Erkrankte Personen aus, wie die aber dahin kommen oder wie sie das erforderliche Tewstergebniss bekommen sagt ihnen niemand. Sie müssten dazu in eine 100 km entfernte Stadt fahren, was einen Dorfbewohner ein Vermögen kostet. Diese Lücke wird zum Beispiel von den Sozialarbeitern geschlossen. Sie führen Blutproben direkt vor Ort durch, registrieren Infizierte, holen Medikamnte und liefern die ins Dorf usw.

Außerdem besuchen sie die Dörfer regelmäßig und untersuchen alle Schwangeren im Ort und auch sonst jeden, der Beschwerden hat. Diese Besuche können nur alle 1-2Wochen stattfinden, da die Wege dorthin sehr lange dauern und das Personal knapp ist. Das Social Department hier betreut 41 Dörfer und hat 6 Mitarbeiterinnen (plus einen Labortechniker). Neben der Gesundheitsfürsorge kümmern sie sich darum, dass die Familien wirtschaftlich etwas auf die Beine kommen. Zu diesem Zwecke haben sie zum Beispiel sog. Selbsthilfegruppen für Frauen errichtet. Eine Gruppe besteht aus je 10-12 Frauen aus einem Dorf.
Pro Dorf gibts es je nach Größe bis zu 10 Gruppen, wovon jede eine Leiterin besitzt die lesen und schreiben kann. Die Sozialarbeiter unterstützen diese dann in formalen Angelegenheiten.

 Die Regierung bietet sehr günstige Kredite für agrartechnische Geräte, die Frauen haben davon jedoch keine Ahnung und wären mit einem Antrag total überfordert. Hier treten dann die Sozialarbeiter ein. Ansonsten arbeiten die Gruppen mittlerweile relativ selbständig. Hat aber ganze 25 (!!!!) Jahre gedauert bis dieser Zustand so wie er jetzt ist erreicht war.



Beispiele für solche Investitionen sind Mehlmahlmaschinen s. rechts,

diverse Ackerbearbeitungsgeräte oder die Errichtung von  Hühnerfarmen oder Ähnlichem s. unten.















Die Frauen bewirtschaften dann Felder bzw. Farmen gemeinsam und durch die gesteigerte Produktion können sie Waren auf dem Markt verkaufen. Auch wird ihnen Unterstützung gegeben zur Ertragssteigerung auf den Äckern. Dem Ganzen voran ging die jahrelange Überzeugungsarbeit der Sozialarbeiter, dass auch Frauen das Recht haben sich zu Äußern und deren Selbstbewusstsein und Selbstverständnis musste grundlegend geändert werden. 

Dann habe ich noch das sog. Watershed-project besucht.

Zwei Ingenieure haben mir ganz stolz den rechts abgebildeten Damm gezeigt und ich habe mir gedacht das kanns ja nicht gewesen sein. Es waren weder brauchbare Mengen an Wasser zu finden, noch irgendwelche sonstige Nutzen für mich erkennbar. Dann hat man mir glücklicherweise den Nutzen erklärt. Diese Wälle stauen das Regenwasser v. A. zur Monsunzeit an, damit es in den Boden eindringen kann. Ansonsten würde es über den ausgetrockneten Boden ins Tal abfließen. Dadurch wird eine bestimmte Menge sozusagen gezwungen zu versickern und dadurch wiederum wird der Grundwasserspiegel bedeutend erhöht.

Es werden dann zusätzlich Brunnen (siehe Bild unten) gebaut, aus denen die Menschen dann das Wasser pumpen können um ihre Felder zu bewässern.





Von diesen Dämmen gibt es eine ganze Menge, teilweise sind die auch nicht sichtbar, weil sie an Hängen liegen und von Büschen verwachsen sind.

Im Hintergrund des Damms auf dem Bild oben kann man sehr gut erkennen, dass dort grüne Felder sind, was in der momentanen Jahrezeit nur dort möglich ist, wo Bewässerungsanlagen gebaut wurden.
So können die Bauern auch in der Dürrezeit Waren anbauen und verkaufen.


Dies sind nur einige  Beispiele davon, was die Sozailarbeiter in den Dörfern so machen. Aber jedes Beispiel aufzuzählen würde wirklich zu weit führen und ich habe leider auch nicht mehr viel Zeit noch weiter auszuschweifen, da ich mich heute auf die Socken nach Mumbai mache, in der Hoffnung, dass dort an Silvester vielleicht ein bisschen mehr los ist als hier bei uns :-).
Ich denke da könnte ich Glück haben. Von 20 Mio. werden dann doch hoffentlich ein paar ein bisschen feiern.
Ich melde mich im neuen Jahr wieder und wünsche Euch allen einen guten Rutsch, Gesundheit, Glück und Zufrieden im nächsten Jahr.

Viele Grüße,
Christina

Montag, 19. Dezember 2011

19.12.2011

Hallo ihr Lieben,

sorry mal wieder wegen der langen Zeit, aber ich war viel unterwegs...

Also die ersten Tage der vergangenen Woche habe ich im Delivery-room zugebracht. Da war richtig was los. Das Krankenhaus hat im Durchschnitt 400 Geburten pro Monat.
Der Kreißsaal hat 10 Betten, eines neben dem anderen. Man entbindet neben anderen Frauen, völlig unspektakulär. Direkt nach der Entbindung wird das Baby gleich der Mutter der Mutter oder deren Schwiegermutter gegeben. Die eigentliche Mutter bekommt es gar nicht zu Gesicht und das stört sie auch nicht wirklich. Sieht ein bisschen so aus als wenn sie nur einen Job erfüllt hätte. Also sehr unromantisch das Ganze. Nichts mit netter Hebamme und Baby anschauen und freuen und Papa dazu und so. Wer nicht binnen 1-2 h entbunden hat bekommt einen Dammschnitt und das Baby wird rausgeholt. Zur Not steigt auch mal eine Schwester auf die Pritsche und drückt von oben mit aller Kraft auf den Bauch damit es schneller geht. Hat ein bisschen was von einer Reanimation finde ich. Habe dort zur Rettung der letzten verbleibenden Intimsphäre der Frauen keine Fotos gemacht.

Dann war ich einen Tag in Pathardi, da ist eine Geburtsstation die auch von den Schwestern betrieben wird. Auch dort werden 300-400 Babys monatlich geboren.


Da gibts nur einen Kreißsaal mit 15 Betten und Kaiserschnitte werden zu uns nach Shevgaon geschickt. Ein Teil ist links abgebildet, wobei man sagen muss, dass er schöner ist als der im Krankenhaus in Shevgaon. Bei uns stehen nur metallene Liegen ohne Kissen in Reih und Glied und die Plastikvorhänge werden nicht zugezogen.
Übernachten kann man hier nicht.





Es gibt nur 4 Betten, für Mütter die nach der Geburt nicht gleich so fit sind dass sie gehen können, aber die sind wirklich nur für max. 3-4 h nach der Entbindung gedacht.


Vor der Entbindungsstation hat man ein Dach gebaut, wo die werdenden Mütter die kurz vor der Geburt stehen warten und übernachten können. Schaut ein bisschen aus wie ein Fahrradunterstand.

Gleich an der Straße hat sich ein kleiner "Imbiss" angesiedelt, der für die Frauen Essen zubereitet und ihnen auch nachts zur Verfügung steht.





 
Donnerstag war ich dann mit beim HIV-Projekt. Da kommen infizierte Personen alle 2 Wochen hin, bekommen zu Essen und zu Trinken und die Medikamentenration für die folgenden 14 Tage. Außerdem werden alle gewogen, Hautausschläge, Abszesse und ähnliches versorgt und ein Arzt ist anwesend, der bei besonderen Beschwerden tätig wird.











Freitag habe ich Paithan besucht. Das ist eine kleine Stadt nördlich von uns. Das Sehenswerteste daran ist der Stausee. Man hat einen wirklich großen Damm gebaut, der das Wasser des Godavari (siehe Bild unten) staut. Von dort aus werden weite Regionen mit Wasser versorgt, unter Anderem Shevgaon, also da wo ich derzeit bin.







Der See hat wirklich glasklares Wasser und ist so groß dass man das andere Ufer nicht erkennen kann. Liegt vielleicht auch an der Luftverschmutzung.

Ich habe mal ein bisschen mit den Füßen geplantscht, aber mehr ist nicht drin. Man geht in Indien nicht wirklich baden, also zumindest nicht hier in der Region. Es war wirklich sehr heiß und ich wäre am Liebsten reingesprungen, aber das schickt sich so gar nicht. Das Beinkleid so weit anzuheben war auch nur möglich, weil niemand in der Nähe war.
 
Ansonsten haben wir noch die Paithani-Saris angeschaut. Sind in Indien sehr bekannt. Sie werden auf eine spezielle Art gewebt und es werden Goldfäden und Seide verwendet (Wikipedia kann euch mehr dazu verraten falls Interesse besteht).

Im Bus nach Hause wurden wir dann von einem betrunkenen Inder im mittleren Alter belästigt, was mal den ganzen Bus zu einem schreienden Haufen verwandelt hat. Da haben wir wohl ungewollt für etwas Stimmung gesorgt. Nach 20 Minuten Diskussion haben sie ihn dann endlich rausgeschmissen und wir konnten auch schon losfahren.

Ansonsten habe ich nichts besonderes erlebt, Weihnachtsplätzchen für die lieben Schwestern gebacken und mein erstes indisches Bierchen eingenommen :-). Kingfisher strong rockt! Die Beschaffung war äußerst prekär, worauf ich an dieser Stelle nicht näher eingehen kann ;-).

Ich wünsche noch eine schöne Vorweihnachtszeit, viel Schnee und gute Pisten (NEID!),

Eure Christina

Freitag, 9. Dezember 2011

09.12.2011

Hallo meine Lieben,

da bin ich wieder. Leider bin ich wegen meines neuen Freundes, einem Abszess in der Axilla derzeit ausser Gefecht gesetzt. Man glaubt der hat sich wegen der Keime im Dusch-Wasser entwickelt, die unser schwaches Immunsystemn nicht gewohnt ist. Es ist allerdings allen unerklärlich wie ich den jetzt im "eisigen Winter" entwickeln konnte, wo die Einheimischen den doch nur im Sommer bekommen. Ein Bild von ihm erspare ich Euch an dieser Stelle. Bei Interesse einfach Kommentar anfügen :-)

Gestern war das Krankenhausfest. Es war ziemlich viel los, eine Menge von Aufführungen, viel zu Essen und das wars dann auch schon wieder. Komischer Weise laufen alle Feste ähnlich ab. Man isst eine Menge, dann gibt es ein paar Reden und Aufführungen und dann ist alles sofort vorbei. Alle gehen heim. Ein lustiges Beisammensein wie bei uns fehlt irgendwie. Da lobe ich mir unser berauschendes Betriebsfest im BKH Regensburg ;-).

Auf vielfachen Wunsch werde ich nun mal meine Tätigkeiten im KH aufführen:

7.30 Uhr: Dienstbeginn, kurze Übergabe (ca. 2 min. für 80 Patienten),

danach Betten machen: Das heißt hier Laken umdrehen! Ich konnte es anfangs gar nicht glauben, aber die drehen hier wirklich Tag für Tag fleißig die Laken um. Decken werden ausgeschüttelt (das sind auch Laken).


Teilweise reichen die auch nicht und Angehörige bringen irgendwelche Stoffe mit, sehr beliebt alte Saris, weil die so groß sind. Die waschen sie dann hier im Innenhof und hängen sie an der Leine oder im Gebüsch auf.
Deswegen sieht es rund ums Krankenhaus so aus.


Für was noch alles alte Stoffe hergenommen werden erspare ich Euch. Nur so viel: auf der Wöchnerinnenstation sind sie viel im Einsatz....







So, nach dem Betten machen kommt die Injektions-Runde. Es bekommen ca. 80 % der Patienten
i. v.-Medikamente. Überwiegend Atibiotika und Ranitic für den Magen. Da ich derzeit selbst Antibiotika nehmen muss kann ich sagen das Ranitic ist äußerst sinnvoll. Habs einmal weggelassen und das war gar nicht gut!
Mit dieser Runde ist man ca. 2 Stunden beschäftigt. Viele Antibiosen müssen im Zimmer aufgelöst werden weil die Patienten diese selbst kaufen müssen und so selbst haben. Viele brauchen wieder neue Rezepte weil sie keine mehr haben. Das wird alles irgendwie nicht richtig geplant. Dann laufen die erst mal los und besorgen neue usw. Dann verbringt man sehr viel Zeit mit Braunülen-Legen. Die Zugänge halten hier immer nur 2 Tage. Ich weiß nicht warum, könnte mir aber vorstellen dass es mit den vielen Antibiosen zusammenhängt. Außerdem werden die immer mit nur 5-10 ml sterilem Wasser aufgelöst und direkt gespritzt. Kurzinfusionen gibts kaum.
Erschwert wird das Ganze zusätzlich durch die vielen Patienten pro Zimmer und durch die Angehörigen. Erst mal muss man rausfinden werd Angehöriger ist und wer Patient und dann Namen rufen. Die Reaktionen sind meist ein kleinlautes piepsen von "ho", was ja bedeutet. Die kriegen einfach den Mund nicht auf, auch nicht bei den einheimischen Krankenschwestern. Und man ruft heir alle mit Vornamen, was heißt dass pro Zimmer schon mal 3 oder 4 mit dem gleichen Namen liegen können. Dann piepsen halt 4 "ho". Naja, äußerst durcheinander irgendwie.



Leichter wirds ab 9 Uhr. Da läuft einer der Watchmen mit einer Trillerpfeife durch die Stationen und schmeißt die Angehörigen für 1-2 Stunden raus. Dann sperrt er das Tor zu und man hat ein bisschen mehr Ruhe.

Das Gittertor im Hintergrund ist sein Arbeitsplatz. Wenn das zugesperrt ist tummeln sich da die ganzen Angehörigen und betteln wieder rein zu dürfen. Obwohl das täglich das selbe Spiel ist geben sie nicht auf. Hat irgendiwe was vom VIP-Eingang bei Teenie-Konzerten.








Nach der Spritzenrunde ist dann auch schon Tee-Pause. Eine halbe Stunde. Danach laufen die Visiten, OP-Vorbereitungen, Blutentnahmen und Verbandswechsel. Für Letzteres gibt es einen extra Raum. Habe leider kein Foto davon. Da warten die Schwestern dann bis die Patienten nach und nach auflaufen. Ob die gehen können oder nicht oder wie die dahion kommen ist das Problem der Angehörigen, wie so Vieles.

Dann ists auch schon 12.30 Uhr und Zeit für Mittagessen und Siesta.

Um 16 Uhr gehts dann weiter. Zu Beginn eine Übergabe (ca. 1 min.) und dann die Abend-Injektionsrunde. Selbes Spiel wie am Morgen. Bis 18.30 ist man damit fertig und dann evtl. noch eine halbe Stunde Tupfer-Rollen und dann Feierabend um 19 Uhr.

Also pflegerische Tätigkeiten wie wir sie in Deutschland kennen fallen gänzlich weg. Das haben die Angehörigen zu erledigen. Wenn man hier einen Katheter zieht, dann wird der einfach entblockt und man ist fertig. Den Rest machen die Relatives. Prima. Für Transfers von der OP-Liege ins Bett oder so werden auch mal ein paar Leute auf dem Gang angeheuert. Die Schwestern sagen ihnen dann was sie zu tun haben und stehen daneben und schauen mit kritischen Blicken zu. Sehr rückenschonendes Arbeiten hier. Besser wie jede Kinästhetik ;-). Aber auf Dauer wenig anspruchsvoll und nicht erfüllend. Da der gemeine Inder, wie ich ihn kennengelernt habe jedoch stets zufrieden ist und eh keine Lust auf anspruchsvolle Sachen hat, sind die hier ganz glücklich mit ihrem Job.

Da bin ich mal tierisch froh, dass ich mich nicht meinem Schicksal fügen muss und bald wieder zu Hause in good old Germany der beruflichen Erfüllung nachhechten kann ;-).



So zu guter letzt noch ein Bild von einem Stationsteam:
Auf dem Bild sieht man eine Krankenschwester (im blauen Sari), eine Stationshilfe (lila Sari) und einen Pfleger im klassisch indischen Outfit :-).

Also Papa keine Angst, ich werde keinen Inder heiraten sondern ganz sicher wieder nach Hause kommen :-)





So, genug für heute. Ich wünsche Euch was, genießt die Weihnachtsstimmung für mich mit, gerne auch mit ein paar Glühlis:-).

Bis bald,
Christina

Dienstag, 29. November 2011

29.11.2011

Ram ram!

Ich bitte um Nachsicht was die Häufigkeit meiner Updates betrifft, aber ich bin langsam leicht im Stress. Am Wochenende war ich in Ahmednagar erst beim Shoppen, dann auf einer Kommunion und dann nochmal beim Shoppen :-).

Und seit Montag haben wir jeden Abend Tanzprobe für das bevorstehende Krankenhausfest. Da bin ich eigentlich gar nicht so der Fan, aber die Schwestern haben das gerne, wenn die Freiwilligen sich gerade bei einer Feierlichkeit einbringen. Anfangs sollten Tabea und ich einen deutschen Tanz alleine aufführen. Deutscher Tanz? Also so gesehen sind wir mit einem indischen Dorftanz in einer Gruppe noch ganz gut weggekommen.
Zudem sind wir für die Spiele verantwortlich, an denen alle Angestellten teilnehmen. Sie wollten gerne deutsche Spiele. Deutsche Spiele? Können sie haben. Wir haben uns so einige ausgedacht. Das Highlight wird sicherlich das Schubkarrenrennen im Sari ;-). Könnte sein dass eventuelle Nachfolger nicht mehr für Spiele zuständig sind.

Krankenhaustechnisch bin war ich ja letzte Woche auf der Männerstation, da gibts eigentlich keine besonderen Vorkommnisse zu berichten.

 Habe mal festgehalten wie sterile Handschuhe entstehen. Die Dame im lila Sari faltet den Schaft der Handschuhe um und die Schülerinnen schlagen sie dann in die braunen Leintücher ein.

Und fertig sind sie!



Das rechte Bild zeigt ein Zimmer auf der Station. Rechts stehen dann nochmal 4 Betten. Das war am Donnerstag, da wird nach der Visite großzügig ausgeräumt, damit die chirurgischen Freitags-OP-Patienten platz haben.


Freitag war ich dann wieder im OP. Eine Blinddarmentfernung, eine Gallenblasenentfernung, 3 Hernien und ein Kaiserschnitt wurden während meines Dienstes gemacht.
 
Da habe ich euch gleich mal eine schönere Naht zum Vergleich fotografiert, damit hier kein falsches Bild entsteht. Also sie können es schon.
Das war eine Blinddarmentfernung. Die wird in Deutschland mittlerweile endoskopisch gemacht, also ohne großen Schnitt. 

In Anbetracht der Fähigkeiten erscheint es umso trauriger dass es am Preis für den Faden scheitert.

Habe mich mal schlau gemacht: Also der normale Faden kostet pro Stück 150 Rupien und der für die schönen Nähte knapp 400. Also 2,30 €  bzw.  6,20 €, was für indische Verhältnisse wirklich teuer ist.
Zum Vergleich kostet eine Ampulle Ranitic 3 Rupien, das sind 5 ct. Für alle nichtmedizinischen Leser: z. B. eine Tube Antimückencreme 10 Rps., also 15 ct.


Ansonsten habe ich mittlerweile ein paar Bilder in unserem Städchen gemacht bzw. von meiner Kollegin geschnorrt.

Das erste zeigt eine Baumwollabholung. Wie man sehen kann fehlt es nicht an der Zahl der Arbeitskräfte.
Es ist immer wieder erstaunlich wie viele Inder man mit einer Aufgabe bzw. einem Problem beschäftigen kann. Das ist im Krankenhaus genauso. Problemlösestrategien zu finden gehört nicht zu ihren Stärken.
Habe schon oft beobachtet wie jemand etwas dreimal auf die gleiche Weise versucht hat, obwohl das nicht funktioniert hat und dann nach einer kurzen Überlegung hört man einfach auf. Das Problem wird für unlösbar erklärt und fertig. Und das passiert oft bei so einfachen kleinen Dingen, dass man gelegentlich den Impuls verspüren könnte, ihnen den problembehafteten Gegenstand aus den Händen zu reißen, ihnen um die Ohren zu hauen und ihnen dann zeigen wie es auch gehen könnte. Aber tut man natürlich nicht.




 Dieses Bild zeigt den Weg in unser kleines Örtchen. Das sind vom KH aus ca. 1 km.
Hier ist der Teer gänzlich verschwunden. Im Ort selbst taucht er stellenweise wieder auf. Auf dem Weg nach Ahmednagar waren sogar richtig gut geteerte Straßen dabei.

Wenn man den Ort verlässt ist es ziemlich verlassen. Da mittlerweile seit vielen Wochen kein Regen mehr gefallen ist ist alles sehr vertrocknet. Als ich angekommen bin war noch alles total grün.
  Das Bild ist auf einem Spaziergang mit einer Schwester entstanden. Das mache ich immer zweimal die Woche, damit ich wenigstens ein bisschen Bewegung habe. Mit Sport ist hier ja nichts los.
 So, das ist eine Seitenstraße in Shevgaon. Die Rinnen links und rechts vor den Häusern sind das Abwassersystem.
Wie man sich vorstellen kann ist das bei durchschnittlich 30 ° nicht so dufte.

Dieses Bild zeigt den Marktplatz. Dort wird Gemüse verkauft und die Läden im Hintergrund sind die ganz normalen Geschäfte. Davon gibt es geschätzt so viele wie Einwohner. Der Ortskern ist quasi voll damit, aber das Angebot trotzdem sehr begrenzt. Am Ende verkaufen doch alle das Gleiche.








Wenns ein bisschen frischer Fisch sein darf, dann gerne auch am Straßenrand, s.li.











 Im Vergleich hierzu unten das Bild aus Ahmednagar. Die Straße ist geteert und die Geschäfte sind oft in richtigen Häusern untergebracht. In Shevgaon sind es in der Regel nur Holzbuden oder Wellblechverschläge.



 Das rechte Bild zeigt noch mal eine Hauptstrasse in Ahmednagar. Hier erkennt man den Unterschied. Es gibt viel mehr richtige Gebäude und eine breite geteerte Straße. Dort habe ich auch meine erste Ampel in Indien erblickt, allerdings war sie wohl für den Rickscha-fahrer auch die erste. Er hat das Signal wohl nicht deuten können :-).
An die Verkehrsbedingungen gewohnt man sich allerding sehr schnell. Durch das viele HUpen und die Handzeichen und Winkerei glaube ich haben die ziemlich gut im Blick was die anderen Verkehrteilnehmer planen, auch wenn es anfangs so ausgesehen hat als würde kein System dahinter stecken.

In Ahmednagar ist schon ein bisserl mehr los als bei uns, aber was das weggehen betrifft könnte man in beiden Orten sagen: Da ist der Hund verreckt.

Nein liebe Tierfreunde, diese drei sind nicht verreckt. Sind nur am Chillen, keine Sorge ;-).

So, nun seid ihr wieder auf dem neuesten Stand. Ich hoffe das Lesen macht Spaß und ist ein bisschen aufschlussreich.

Bis bald,
Christina

Dienstag, 22. November 2011

18.11.2011


Namaste in die Heimat!

Erst mal zum OP:

Am Freitag war ich im OP, wie ab sofort immer freitags. Vogelwuid könnte man sagen, tut man aber nicht.
Das Bild zeigt den OP-Saal. einfach mal anschauen. Auf kleine Details achten lohnt sich ;-).

Auf dem Plan standen eine Hodenentfernung, eine Fibroadenomentfernung aus der Brust, eine Analfistel, 4 Leistenhernien und zu guter letzt kam noch eine Sektio dazu.
Bis auf die 4 Leistenhernien war alles sehr interessant, vor Allem die Anästhesie wie ich fand. Der Anästhesiewagen ist das Ding mit den blauen Flaschen links im Bild.

Der Monitor ist ziemlich anders als bei uns. Er besteht aus einer Schwester, die mit dem Stethoskop auf der Brust des Patienten den Herzschlag hört und ab und zu Blutdruck misst...


Die OP-Techniken an sich unterscheiden sich, soweit ich das beurteilen kann, nicht sehr stark, nur die Bedingungen und das Material sind nicht vergleichbar. 


Tupfer werden hier z. B. vom Personal aus Watterollen händisch gerollt und dann Dampfsterilisiert. Auf dem Bild sitzt gerade das OP-Team drüber.

Kann ich mittlerweile auch ganz gut :-), also falls Interesse besteht, ich kanns euch zeigen.







Bei der Leistenhernie wird wie in Deutschland ein Netz zur Verstärkung eingesetzt und der Kaiserschnitt läuft eigentlich ganz genauso ab. Blutende Gefäße werden genauso mit Strom verbrutzelt wie bei uns.
 

Nur die Nähte sehen um einiges unschöner aus als bei uns. Ein Beispiel ist rechts dargestellt. Diese Naht befindet sich neben 3 weiteren auf der Brust eines 12-Jährigen Mädchens. 
Zuerst dachte ich die könnens irgendiwe nicht besser, aber dann haben sie bei einem Patienten eine wunderschöne Subkutannaht gezaubert. Ich hab dann mal vorsichtig nachgefragt warum sie die nicht bei allen machen und man hat mir gesagt dass man für die schönere bezahlen muss, weil der Faden teurer ist. Bis auf einen Patienten konnte sich aber an diesem Tag niemand den besseren Faden leisten.

Ansonsten habe ich jetzt seit gestern die Station gewechselt. Nix mehr mit Baby-Baden. Jetzt bin ich auf der Male-Ward, eine Männerstation. Behandelt werden hier alle Fälle, hauptsache männlich. Es ist hier ziemlich was los, da es vier 8-Bett-Zimmer und zwei 5-Bettzimmer gibt. Dazu kann man im Durchschnitt noch pro Patient 3 Angehörige rechnen, die sich hier häuslich einrichten.
Die Leute sind aber sehr nett, man amüsiert sich hier köstlich über meine Interpretation der Namen. Die sind aber auch alle sehr ANDERS.

Bilder habe ich da noch nicht gemacht, da ich ja noch nicht so lange da bin und erst mal schauen muss was diesbezüglich möglich ist.




Noch was zum allgemeinen Leben hier:


Das ist jetzt vielleicht eher interessant für jemanden, der darüber nachdenkt sowas oder was ähnliches zu machen.
Also hier im Kloster gehts einem wirklich gut. Man bekommt alle Mahlzeiten vom Haus. Hierfür sind sog. Mauschis zuständig. Das sind die Damen im Türkisen Sari.

Die kochen für die Ordensschwestern, Krankenschwestern und Schüler, die hier auch alle wohnen. Das sind alles extra Häuser für Schwestern, Ärzte, Ordensschwestern und Schüler. Alles auf dem KH-Gelände. Kann man übrigens auf Google Maps recht gut erkennen.
Das Essen schmeckt richtig gut, ist aber in der Regel ziemlich fettig. Also falls man plant hier abzunehmen (so wie ich es gedacht hätte), dann wird das nix. Auch jede Art von Süßigkeiten ist hier gaaanz hoch im Kurs!




Mein Zimmer kennt ihr ja schon, aber mein "Bad" habe ich bisher nur knapp beschrieben. Jetzt gibt es auch ein Bild davon, da ich es euch auf keinen Fall vorenthalten wollte:

Die Dusche in zartem Pink und blau gehalten und dazu die -wie man mir sagte-  eine "europäische" Toilette.
Das ganze befindet sich auf dem Gang. Die andere Deutsche hat aber ein eigenes Bad mit wirklich europäischer Toilette. Also Glückssache was man bekommt...


Das unsichtbare Bild zeigt die Waschmaschine, die gibt es nämlich leider nicht. Handwäsche ich echt anstrengend und so gar nicht schonend für die Kleidung. Aber man überlegt mal so richtig obs denn wirklich sein muss dass man jedes Top nach einmaligem Tragen waschen muss.



Der Tagesablauf im Kloster selbst ist eigentlich komplett vorgeplant, wenn man alle Gebete miteinbezieht, aber die sind freillig. Bis auf die Sonntagsmesse, die ist zwar auch "freiwillig", aber dann sprechen die Schwestern nicht mehr mit einem und strafen einen mit Todesblicken aus 30 Augen!
Also wer hierher möchte, müsste sich damit arrangieren können mind. einmal die Woche zur Messe zu gehen und sich vielleicht abends mal zum Rosenkranz blicken lassen. Die Schwestern legen da schon Wert drauf, auch wenn es nicht zwingend ist.

Ansonsten habe ich Mo-Sa je von 7.30 Uhr bis 12.30 Uhr und von 16 bis 19 Uhr Schicht. Ist einerseits voll toll wegen der Siesta, andererseits auch ein bisserl blöd wenn man mal einkaufen gehen will, weil man dann genau die zwei Stunden nach dem Essen hat und nicht mehr.

Nach dem Dienst ist es dunkel, was bedeutet, dass Frauen nichts mehr auf der Strasse zu suchen haben. Also mal weggehen oder ein Bierchen trinken oder so kann man sich hier gänzlich abschminken, als Frau sowieso. Das ist das weniger schöne hier, man kann einfach nichts machen. Auch die Krankenschwestern und Schüler sitzten abend für abend einfach nur im Wohnheim und schauen TV. Hobbys oder Sport oder irgendwelche Freizeitaktivitäten kennt man hier einfach nicht.
Also wenn man plant hier länger zu bleiben und nicht unbedingt auf der Suche nach der inneren Ruhe ist sollte man das bedenken und vielleicht doch eine größere Stadt wählen. Die muß aber dann bedeutend größer sein, den auch in der Hauptstadt unseres Landkreises ist es genauso. Dafür braucht man dann schon die Größenordnung von Pune oder dann gleich was ganz großes wie Mumbai oder Delhi für diejenigen die sicher gehen wollen.

So jetzt weiß ich wirklich nichts mehr was euch interessieren könnte.

Ich wünsche euch kuschelige Kachelöfen,

viele sonnige Grüße

Christina

Sonntag, 13. November 2011

13. November 2011

Hallo meine Lieben,

eigentlich gibts nichts Neues zu berichten, dafür versuche ich heute ein paar Bilder hochzuladen, was in Anbetracht der Internetgeschwindigkeit eine enorme Geduldsprobe darstellt.
Also beginnen wir mal mit meiner Behausung:

In meinem Zimmer sind zwei Betten, die ich zu einem gemacht habe. Ein Waschbecken, ein Schrank und ein Tisch mit Stuhl.

Vorher hat es so ausgesehen wie auf dem Bild unten.

Ist eigentlich erst mal alles da was man braucht. Die Matratze ist etwas gewöhnungsbedürftig, da äußerst hart und mit Stroh oder so gefüllt, da sie irgendwie raschelt. Aber habe mich dran gewöhnt :-)



 








Das Datum ist natürlich total falsch. Habe leider die Kamera nicht richtig eingestellt. Seht es mir nach :-)


Das nächste Bild ist auf der Terasse des Sister´s House entstanden, da wo ich wohne. Auf dem linken Gang ist mein Zimmer und mein "Bad".


 
Die Gartenanlage ist sehr gepflegt aber nicht repräsentativ für den Ort in dem es steht. 

Außerhalb der Kloster- und Krankenhausanlage sieht es etwas anders aus. 
Ich habe mich bisher noch nicht getraut das einfach zu fotografieren, da ich die Menschen nicht verärgern möchte. Weiß nicht so genau, wie die das aufnehmen. Ich werde mich mal schlau machen und versuchen ein Paar Bilder für euch festzuhalten.


Nun zur Säuglingsstation:
Erst mal das Stationszimmer:

 
Das Stationszimmer ist für den ganzen Gang gedacht. Dazu gehären neben der Nursary auch noch die Privatpatientenzimmer. Das sind Zweibettzimmer mit Wasseranschluss für das die Patienten selbst bezahlen.
Man beachte die Ofenplatte in der Mitte:
Hier wird Wasser zum Babybaden warm gemacht. Fließend gibts das nämlich hier selten. In dem Wasschbecken rechts werden die Babys dann gebadet.


Das Bild rechts zeigt den Gang dieser Station. Es war gerade Generalputz, daher stehen Betten und Nachtschränke auf dem Gang. 

Was ich hier extrem toll finde, dass die Gänge offen sind. Man fühlt sich als ob man im Freien arbeitet. Das kann man von deutschen Krankenhausklötzen meist nicht behaupten.

Allerdings bekommt man bei Einbruch der Dunkelheit ein echtes Problem mit den Moskitos.
Micht stechen trotz Anti-Mückensprays, -salben und langärmeliger Kleidung am Abend tgl. mind. 3-5. Wenn ich kein Malaria bekomme, dann feier ich ne riesen Party :-).

 Im Hintergrund kann man so manche Angehörigen sehen, die sich auf dem Gang tummeln. Die gehören jedoch nur zu einer Patientin, die auf die Intensivstation (am Ende des Ganges, da wo der rote Schriftzug drüber steht) eingeliefert wurde. Meistens sind die auch mit in den Zimmern.
 So dann zu den lieben Kleinen:

 So siehts nach dem Baden, ölen, pudern aus:
Da werden alle in Reih und glied eingewickelt und entweder zu den Müttern gegeben oder der Arzt kommt zur Visite. Danach dürfen sie dann wieder ins Bettchen.

So, dann natürlich nicht zu vergessen, die unglaublich fürsorglichen Kranken Schwestern :-)

Rechts im Bild meine Wenigkeit und unten eine total nette Kollegin namens Tara.

Was noch interessant ist, hier arbeiten alle mit Mundschutz, auch die Putzfrauen oder Stationshelferinnen und nicht nur auf der
Säuglingsstation.

Dies dient zum Einen dem Eigenschutz und aber auch der Verhinderung von Krankheitsübertragungen.
Man möchte nicht glauben, was sich so im Laufe eines Tages in einem Mundschutzansammelt. Vielleicht ist das gar keine schlechte Idee den immer zu tragen?!


Das Gerät das man im Hinztergrund sehen kann ist die "Phototherapie" für Kinder mit Neugeborenenikterus. Bei uns wird das glaube ich mit Gelblichtbestrahlung therapiert, bin  mir aber nicht sicher.

Davon gibt es zwei Stück und darin liegen bis zu 8 Säuglingen, je nach Bedarf.
Die blauen Augenbinden schützen die Augen der Babys vor den Strahlen.



So und zu guter letzt hier noch ein Bild von einem meiner Saris inklusive mir:



Saris gibts aus allen möglichen Stoffen und in allen erdenklichen Farbkombinationen. Von Neonfarbe bis kunterbunt bis einfärbig oder kariert, alles sieht man.
Die Bluse lässt man sich in der Regel nähen. In meinem Fall sowieso, da es für die europäische Statur keine passenden Blusen gibt.
Ein indischer Sariladen ist ähnlich einem Handtaschen- oder Schuhgeschäft, man könnte immer einen kaufen und außerdem braucht man bestimmt auch zu jeder Handtasche einen passenden :-)

Bis zum nächsten Mal,
viele liebe Grüße,
Christina




Dienstag, 8. November 2011

Herzlich willkommen zum Blog „Mit Ingear in Indien“


Spät aber doch habe ich nun Internet-Zugang. Ich hoffe ab sofort regelmäßig etwas berichten zu können.

Wie der Name schon sagt bin ich über den Verein InGeAr für drei Monate in Indien. Für alle die mich nicht kennen, ich bin Christina, 27 Jahre alt, Krankenschwester und studiere derzeit Lehramt für Gesundheitsberufe an der TU München.  Ich bin seit 10 Tagen hier in Shevgaon (Maharashtra) und arbeite im Krankenhaus NITYASEVA (nähere Infos dazu auf der Homepage von Ingear). Ich bin am 27. Oktober von München nach Mumbai geflogen und von dort (nach 6 h Wartezeit) weiter nach Aurangabad, wo man mich am Flughafen abgeholt hat.  Darüber war ich sehr froh, denn ich hätte es wahrscheinlich nur schwer von dort nach Shevgaon geschafft. Die Busse sind alle auf Marathi beschriftet und für einen Mitteleuropäer ist es anfangs sehr schwer sich hier zurechtzufinden.
Untergebracht bin ich im „Sister´s house“ direkt neben dem Krankenhaus. Ich habe ein Zimmer mit Waschbecken und eine Toilette und Dusche am Gang. Die Dusche besteht aus einem Wasserhahn, einem Eimer und einem Messbecher. Klingt aber schlimmer als es ist, es geht auch so.

Nun zu meiner eigentlichen Arbeit hier:
Ich bin derzeit auf der Säuglingsstation eingesetzt, da das Sprachproblem hier noch am geringsten ist. Die Krankenschwestern und die Ärzte sprechen alle Englisch, wenn auch unterschiedlich gut. Die Inder verleihen der englischen Sprache einen Akzent, der sie zu Teil kaum wiedererkennen lässt, aber mit der Zeit hat man sich auch ins Marathenglisch "eingehört".
Es fehlt hier in detschen Augen total an Ge- und Verbrauchsmataerialien für die Pflege. So gibt es keine Handschuhe, nur für sterile Verbandswechsel. Und das sind Gummihandschuhe, die gewaschen, getrocknet, gepudert und in Leintücher eingeschlagen werden. Es gibt kein Hände- und kein Schleimhautdesinfektionsmittel. Das gute alte Octeniderm wird hier durch Spiritus ersetzt. Sterile Einwegspritzen und Branülen gibts schon. Auch ist die Frühchenstation mit einem Inkubator ausgestattet. Leider gibt es jedoch keinen Monitor oder irgendeine Überwachung (Pulsoxis oder so). Das fehlt in meinen Augen total.Es wird Sauerstoff verabreicht ohne die Sättigung zu kennen. Gerade bei Frühgeborenen ist es ja auch schädlich, wenn diese eine zu hohe Sättigung haben. Also das alles gilt bisher für die Säuglingssattion, bei den Anderen weiß ich es noch nicht
Ansonsten gehts den Babys schon gut, man sorgt sich total lieb um sie. Die Schwestern und Pfleger machen hier im Rahmen ihrer Möglichkeiten eine sehr gute Arbeit.
Gewöhnen musste ich mich auch erst mal an die Vielzahl von Angehörigen, die Tag und Nacht in den Zimmern, vor den Zimmern oder auf den Gängen rumlaufen, auf dem Boden sitzen, schlafen, essen usw. Die Patienenten bekommen hier keine Mahlzeiten, also bringen das die Angehörigen mit. Dementsprechend ausgerüstet laufen die hier auf. Auch pflegen muss man hier eigentlich keinen so wie in Dtl. Das übernehmen ebenfalls die Angehörigen. Was sehr angenehm ist, ist das niemand klingelt ;-), weil es keine Patientenrufanlage gibt. Dafür stehen die Angehörigen vor dem Stationszimmer Schlange. Für mich war das anfangs ein riesen Problem, weil mich alle mit ihren Anliegen einfach angesprochen haben und davon ausgegangen sind, dass ich natürlich Marathi kann. Da half auch alles Kopfschütteln nix. Nun kann ich aber schon einen Satz, und der hilft vorerst mal ungemein: Mi Marathi bolat nahi (Ich spreche kein Marathi). Tut mir zwar immer sehr leid, weil die dann immer ganz enttäuscht schauen, aber hilft ja nix.
Die Menschen hier allgemein sind sehr nett und aufgeschlossen. Angehörige holen mich ab und zu für leicht deutbare Tätigkeiten (z. B. Infusion abstöpseln oder so). Die nehmen mich einfach an der Hand mit ins Zimmer und deuten dann und bedanken sich immer sehr nett und lachen mich an (oder aus, ich deute es als anlachen :-))Klappt bisweilen meistens. Aber ich finde es sehr nett, dass sie mich ignorieren und mich einfach mitnehmen.

Ansonsten kann ich vom Krankenhaus selbst noch nicht viel mehr berichten. Ich darf hier alle Bereiche mal ansehen, sofern ich mag. Nun mag ich aber noch ein bisserl bei den Babys bleiben, weil die erstens total süß sind und zweitens kein Marathi sprechen. Ansonsten gibts noch eine normale Gyn-Station, eine Chirurgie, eine Innere, eine Notaufnahme, einen OP und eine extra Station für TBC-Erkrankte in einem extra Haus und für alle Freunde der beruflichen Bildung eine Krankenpflegeschule.
Außerdem hat man mir angeboten auch weitere Krankenhäuser dieses Ordens zu besuchen, wenn ich mag. Und ein Projekt der Dorfsozialarbeit kann ich ebenfalls begleiten.
Alles das werde ich aber erst anpeilen, wenn die zweite Deutsche, die hier derzeit verweilt aus ihrem Urlaub zurück ist. Ich kenne sie zwar noch nicht, aber sie hat bestimmt auch an dem ein oder anderen Projekt Interesse.
Wenn jemand was bestimmtes wissen möchte, einfach jederzeit immer gerne Fragen.

Ansonsten verabschiede ich mich für heute, grüße die bayrische Heimat ganz lieb und hoffe bald wieder schreiben zu können.

Bis bald, eure Christina