Dienstag, 8. November 2011

Herzlich willkommen zum Blog „Mit Ingear in Indien“


Spät aber doch habe ich nun Internet-Zugang. Ich hoffe ab sofort regelmäßig etwas berichten zu können.

Wie der Name schon sagt bin ich über den Verein InGeAr für drei Monate in Indien. Für alle die mich nicht kennen, ich bin Christina, 27 Jahre alt, Krankenschwester und studiere derzeit Lehramt für Gesundheitsberufe an der TU München.  Ich bin seit 10 Tagen hier in Shevgaon (Maharashtra) und arbeite im Krankenhaus NITYASEVA (nähere Infos dazu auf der Homepage von Ingear). Ich bin am 27. Oktober von München nach Mumbai geflogen und von dort (nach 6 h Wartezeit) weiter nach Aurangabad, wo man mich am Flughafen abgeholt hat.  Darüber war ich sehr froh, denn ich hätte es wahrscheinlich nur schwer von dort nach Shevgaon geschafft. Die Busse sind alle auf Marathi beschriftet und für einen Mitteleuropäer ist es anfangs sehr schwer sich hier zurechtzufinden.
Untergebracht bin ich im „Sister´s house“ direkt neben dem Krankenhaus. Ich habe ein Zimmer mit Waschbecken und eine Toilette und Dusche am Gang. Die Dusche besteht aus einem Wasserhahn, einem Eimer und einem Messbecher. Klingt aber schlimmer als es ist, es geht auch so.

Nun zu meiner eigentlichen Arbeit hier:
Ich bin derzeit auf der Säuglingsstation eingesetzt, da das Sprachproblem hier noch am geringsten ist. Die Krankenschwestern und die Ärzte sprechen alle Englisch, wenn auch unterschiedlich gut. Die Inder verleihen der englischen Sprache einen Akzent, der sie zu Teil kaum wiedererkennen lässt, aber mit der Zeit hat man sich auch ins Marathenglisch "eingehört".
Es fehlt hier in detschen Augen total an Ge- und Verbrauchsmataerialien für die Pflege. So gibt es keine Handschuhe, nur für sterile Verbandswechsel. Und das sind Gummihandschuhe, die gewaschen, getrocknet, gepudert und in Leintücher eingeschlagen werden. Es gibt kein Hände- und kein Schleimhautdesinfektionsmittel. Das gute alte Octeniderm wird hier durch Spiritus ersetzt. Sterile Einwegspritzen und Branülen gibts schon. Auch ist die Frühchenstation mit einem Inkubator ausgestattet. Leider gibt es jedoch keinen Monitor oder irgendeine Überwachung (Pulsoxis oder so). Das fehlt in meinen Augen total.Es wird Sauerstoff verabreicht ohne die Sättigung zu kennen. Gerade bei Frühgeborenen ist es ja auch schädlich, wenn diese eine zu hohe Sättigung haben. Also das alles gilt bisher für die Säuglingssattion, bei den Anderen weiß ich es noch nicht
Ansonsten gehts den Babys schon gut, man sorgt sich total lieb um sie. Die Schwestern und Pfleger machen hier im Rahmen ihrer Möglichkeiten eine sehr gute Arbeit.
Gewöhnen musste ich mich auch erst mal an die Vielzahl von Angehörigen, die Tag und Nacht in den Zimmern, vor den Zimmern oder auf den Gängen rumlaufen, auf dem Boden sitzen, schlafen, essen usw. Die Patienenten bekommen hier keine Mahlzeiten, also bringen das die Angehörigen mit. Dementsprechend ausgerüstet laufen die hier auf. Auch pflegen muss man hier eigentlich keinen so wie in Dtl. Das übernehmen ebenfalls die Angehörigen. Was sehr angenehm ist, ist das niemand klingelt ;-), weil es keine Patientenrufanlage gibt. Dafür stehen die Angehörigen vor dem Stationszimmer Schlange. Für mich war das anfangs ein riesen Problem, weil mich alle mit ihren Anliegen einfach angesprochen haben und davon ausgegangen sind, dass ich natürlich Marathi kann. Da half auch alles Kopfschütteln nix. Nun kann ich aber schon einen Satz, und der hilft vorerst mal ungemein: Mi Marathi bolat nahi (Ich spreche kein Marathi). Tut mir zwar immer sehr leid, weil die dann immer ganz enttäuscht schauen, aber hilft ja nix.
Die Menschen hier allgemein sind sehr nett und aufgeschlossen. Angehörige holen mich ab und zu für leicht deutbare Tätigkeiten (z. B. Infusion abstöpseln oder so). Die nehmen mich einfach an der Hand mit ins Zimmer und deuten dann und bedanken sich immer sehr nett und lachen mich an (oder aus, ich deute es als anlachen :-))Klappt bisweilen meistens. Aber ich finde es sehr nett, dass sie mich ignorieren und mich einfach mitnehmen.

Ansonsten kann ich vom Krankenhaus selbst noch nicht viel mehr berichten. Ich darf hier alle Bereiche mal ansehen, sofern ich mag. Nun mag ich aber noch ein bisserl bei den Babys bleiben, weil die erstens total süß sind und zweitens kein Marathi sprechen. Ansonsten gibts noch eine normale Gyn-Station, eine Chirurgie, eine Innere, eine Notaufnahme, einen OP und eine extra Station für TBC-Erkrankte in einem extra Haus und für alle Freunde der beruflichen Bildung eine Krankenpflegeschule.
Außerdem hat man mir angeboten auch weitere Krankenhäuser dieses Ordens zu besuchen, wenn ich mag. Und ein Projekt der Dorfsozialarbeit kann ich ebenfalls begleiten.
Alles das werde ich aber erst anpeilen, wenn die zweite Deutsche, die hier derzeit verweilt aus ihrem Urlaub zurück ist. Ich kenne sie zwar noch nicht, aber sie hat bestimmt auch an dem ein oder anderen Projekt Interesse.
Wenn jemand was bestimmtes wissen möchte, einfach jederzeit immer gerne Fragen.

Ansonsten verabschiede ich mich für heute, grüße die bayrische Heimat ganz lieb und hoffe bald wieder schreiben zu können.

Bis bald, eure Christina

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