Dienstag, 29. November 2011

29.11.2011

Ram ram!

Ich bitte um Nachsicht was die Häufigkeit meiner Updates betrifft, aber ich bin langsam leicht im Stress. Am Wochenende war ich in Ahmednagar erst beim Shoppen, dann auf einer Kommunion und dann nochmal beim Shoppen :-).

Und seit Montag haben wir jeden Abend Tanzprobe für das bevorstehende Krankenhausfest. Da bin ich eigentlich gar nicht so der Fan, aber die Schwestern haben das gerne, wenn die Freiwilligen sich gerade bei einer Feierlichkeit einbringen. Anfangs sollten Tabea und ich einen deutschen Tanz alleine aufführen. Deutscher Tanz? Also so gesehen sind wir mit einem indischen Dorftanz in einer Gruppe noch ganz gut weggekommen.
Zudem sind wir für die Spiele verantwortlich, an denen alle Angestellten teilnehmen. Sie wollten gerne deutsche Spiele. Deutsche Spiele? Können sie haben. Wir haben uns so einige ausgedacht. Das Highlight wird sicherlich das Schubkarrenrennen im Sari ;-). Könnte sein dass eventuelle Nachfolger nicht mehr für Spiele zuständig sind.

Krankenhaustechnisch bin war ich ja letzte Woche auf der Männerstation, da gibts eigentlich keine besonderen Vorkommnisse zu berichten.

 Habe mal festgehalten wie sterile Handschuhe entstehen. Die Dame im lila Sari faltet den Schaft der Handschuhe um und die Schülerinnen schlagen sie dann in die braunen Leintücher ein.

Und fertig sind sie!



Das rechte Bild zeigt ein Zimmer auf der Station. Rechts stehen dann nochmal 4 Betten. Das war am Donnerstag, da wird nach der Visite großzügig ausgeräumt, damit die chirurgischen Freitags-OP-Patienten platz haben.


Freitag war ich dann wieder im OP. Eine Blinddarmentfernung, eine Gallenblasenentfernung, 3 Hernien und ein Kaiserschnitt wurden während meines Dienstes gemacht.
 
Da habe ich euch gleich mal eine schönere Naht zum Vergleich fotografiert, damit hier kein falsches Bild entsteht. Also sie können es schon.
Das war eine Blinddarmentfernung. Die wird in Deutschland mittlerweile endoskopisch gemacht, also ohne großen Schnitt. 

In Anbetracht der Fähigkeiten erscheint es umso trauriger dass es am Preis für den Faden scheitert.

Habe mich mal schlau gemacht: Also der normale Faden kostet pro Stück 150 Rupien und der für die schönen Nähte knapp 400. Also 2,30 €  bzw.  6,20 €, was für indische Verhältnisse wirklich teuer ist.
Zum Vergleich kostet eine Ampulle Ranitic 3 Rupien, das sind 5 ct. Für alle nichtmedizinischen Leser: z. B. eine Tube Antimückencreme 10 Rps., also 15 ct.


Ansonsten habe ich mittlerweile ein paar Bilder in unserem Städchen gemacht bzw. von meiner Kollegin geschnorrt.

Das erste zeigt eine Baumwollabholung. Wie man sehen kann fehlt es nicht an der Zahl der Arbeitskräfte.
Es ist immer wieder erstaunlich wie viele Inder man mit einer Aufgabe bzw. einem Problem beschäftigen kann. Das ist im Krankenhaus genauso. Problemlösestrategien zu finden gehört nicht zu ihren Stärken.
Habe schon oft beobachtet wie jemand etwas dreimal auf die gleiche Weise versucht hat, obwohl das nicht funktioniert hat und dann nach einer kurzen Überlegung hört man einfach auf. Das Problem wird für unlösbar erklärt und fertig. Und das passiert oft bei so einfachen kleinen Dingen, dass man gelegentlich den Impuls verspüren könnte, ihnen den problembehafteten Gegenstand aus den Händen zu reißen, ihnen um die Ohren zu hauen und ihnen dann zeigen wie es auch gehen könnte. Aber tut man natürlich nicht.




 Dieses Bild zeigt den Weg in unser kleines Örtchen. Das sind vom KH aus ca. 1 km.
Hier ist der Teer gänzlich verschwunden. Im Ort selbst taucht er stellenweise wieder auf. Auf dem Weg nach Ahmednagar waren sogar richtig gut geteerte Straßen dabei.

Wenn man den Ort verlässt ist es ziemlich verlassen. Da mittlerweile seit vielen Wochen kein Regen mehr gefallen ist ist alles sehr vertrocknet. Als ich angekommen bin war noch alles total grün.
  Das Bild ist auf einem Spaziergang mit einer Schwester entstanden. Das mache ich immer zweimal die Woche, damit ich wenigstens ein bisschen Bewegung habe. Mit Sport ist hier ja nichts los.
 So, das ist eine Seitenstraße in Shevgaon. Die Rinnen links und rechts vor den Häusern sind das Abwassersystem.
Wie man sich vorstellen kann ist das bei durchschnittlich 30 ° nicht so dufte.

Dieses Bild zeigt den Marktplatz. Dort wird Gemüse verkauft und die Läden im Hintergrund sind die ganz normalen Geschäfte. Davon gibt es geschätzt so viele wie Einwohner. Der Ortskern ist quasi voll damit, aber das Angebot trotzdem sehr begrenzt. Am Ende verkaufen doch alle das Gleiche.








Wenns ein bisschen frischer Fisch sein darf, dann gerne auch am Straßenrand, s.li.











 Im Vergleich hierzu unten das Bild aus Ahmednagar. Die Straße ist geteert und die Geschäfte sind oft in richtigen Häusern untergebracht. In Shevgaon sind es in der Regel nur Holzbuden oder Wellblechverschläge.



 Das rechte Bild zeigt noch mal eine Hauptstrasse in Ahmednagar. Hier erkennt man den Unterschied. Es gibt viel mehr richtige Gebäude und eine breite geteerte Straße. Dort habe ich auch meine erste Ampel in Indien erblickt, allerdings war sie wohl für den Rickscha-fahrer auch die erste. Er hat das Signal wohl nicht deuten können :-).
An die Verkehrsbedingungen gewohnt man sich allerding sehr schnell. Durch das viele HUpen und die Handzeichen und Winkerei glaube ich haben die ziemlich gut im Blick was die anderen Verkehrteilnehmer planen, auch wenn es anfangs so ausgesehen hat als würde kein System dahinter stecken.

In Ahmednagar ist schon ein bisserl mehr los als bei uns, aber was das weggehen betrifft könnte man in beiden Orten sagen: Da ist der Hund verreckt.

Nein liebe Tierfreunde, diese drei sind nicht verreckt. Sind nur am Chillen, keine Sorge ;-).

So, nun seid ihr wieder auf dem neuesten Stand. Ich hoffe das Lesen macht Spaß und ist ein bisschen aufschlussreich.

Bis bald,
Christina

Dienstag, 22. November 2011

18.11.2011


Namaste in die Heimat!

Erst mal zum OP:

Am Freitag war ich im OP, wie ab sofort immer freitags. Vogelwuid könnte man sagen, tut man aber nicht.
Das Bild zeigt den OP-Saal. einfach mal anschauen. Auf kleine Details achten lohnt sich ;-).

Auf dem Plan standen eine Hodenentfernung, eine Fibroadenomentfernung aus der Brust, eine Analfistel, 4 Leistenhernien und zu guter letzt kam noch eine Sektio dazu.
Bis auf die 4 Leistenhernien war alles sehr interessant, vor Allem die Anästhesie wie ich fand. Der Anästhesiewagen ist das Ding mit den blauen Flaschen links im Bild.

Der Monitor ist ziemlich anders als bei uns. Er besteht aus einer Schwester, die mit dem Stethoskop auf der Brust des Patienten den Herzschlag hört und ab und zu Blutdruck misst...


Die OP-Techniken an sich unterscheiden sich, soweit ich das beurteilen kann, nicht sehr stark, nur die Bedingungen und das Material sind nicht vergleichbar. 


Tupfer werden hier z. B. vom Personal aus Watterollen händisch gerollt und dann Dampfsterilisiert. Auf dem Bild sitzt gerade das OP-Team drüber.

Kann ich mittlerweile auch ganz gut :-), also falls Interesse besteht, ich kanns euch zeigen.







Bei der Leistenhernie wird wie in Deutschland ein Netz zur Verstärkung eingesetzt und der Kaiserschnitt läuft eigentlich ganz genauso ab. Blutende Gefäße werden genauso mit Strom verbrutzelt wie bei uns.
 

Nur die Nähte sehen um einiges unschöner aus als bei uns. Ein Beispiel ist rechts dargestellt. Diese Naht befindet sich neben 3 weiteren auf der Brust eines 12-Jährigen Mädchens. 
Zuerst dachte ich die könnens irgendiwe nicht besser, aber dann haben sie bei einem Patienten eine wunderschöne Subkutannaht gezaubert. Ich hab dann mal vorsichtig nachgefragt warum sie die nicht bei allen machen und man hat mir gesagt dass man für die schönere bezahlen muss, weil der Faden teurer ist. Bis auf einen Patienten konnte sich aber an diesem Tag niemand den besseren Faden leisten.

Ansonsten habe ich jetzt seit gestern die Station gewechselt. Nix mehr mit Baby-Baden. Jetzt bin ich auf der Male-Ward, eine Männerstation. Behandelt werden hier alle Fälle, hauptsache männlich. Es ist hier ziemlich was los, da es vier 8-Bett-Zimmer und zwei 5-Bettzimmer gibt. Dazu kann man im Durchschnitt noch pro Patient 3 Angehörige rechnen, die sich hier häuslich einrichten.
Die Leute sind aber sehr nett, man amüsiert sich hier köstlich über meine Interpretation der Namen. Die sind aber auch alle sehr ANDERS.

Bilder habe ich da noch nicht gemacht, da ich ja noch nicht so lange da bin und erst mal schauen muss was diesbezüglich möglich ist.




Noch was zum allgemeinen Leben hier:


Das ist jetzt vielleicht eher interessant für jemanden, der darüber nachdenkt sowas oder was ähnliches zu machen.
Also hier im Kloster gehts einem wirklich gut. Man bekommt alle Mahlzeiten vom Haus. Hierfür sind sog. Mauschis zuständig. Das sind die Damen im Türkisen Sari.

Die kochen für die Ordensschwestern, Krankenschwestern und Schüler, die hier auch alle wohnen. Das sind alles extra Häuser für Schwestern, Ärzte, Ordensschwestern und Schüler. Alles auf dem KH-Gelände. Kann man übrigens auf Google Maps recht gut erkennen.
Das Essen schmeckt richtig gut, ist aber in der Regel ziemlich fettig. Also falls man plant hier abzunehmen (so wie ich es gedacht hätte), dann wird das nix. Auch jede Art von Süßigkeiten ist hier gaaanz hoch im Kurs!




Mein Zimmer kennt ihr ja schon, aber mein "Bad" habe ich bisher nur knapp beschrieben. Jetzt gibt es auch ein Bild davon, da ich es euch auf keinen Fall vorenthalten wollte:

Die Dusche in zartem Pink und blau gehalten und dazu die -wie man mir sagte-  eine "europäische" Toilette.
Das ganze befindet sich auf dem Gang. Die andere Deutsche hat aber ein eigenes Bad mit wirklich europäischer Toilette. Also Glückssache was man bekommt...


Das unsichtbare Bild zeigt die Waschmaschine, die gibt es nämlich leider nicht. Handwäsche ich echt anstrengend und so gar nicht schonend für die Kleidung. Aber man überlegt mal so richtig obs denn wirklich sein muss dass man jedes Top nach einmaligem Tragen waschen muss.



Der Tagesablauf im Kloster selbst ist eigentlich komplett vorgeplant, wenn man alle Gebete miteinbezieht, aber die sind freillig. Bis auf die Sonntagsmesse, die ist zwar auch "freiwillig", aber dann sprechen die Schwestern nicht mehr mit einem und strafen einen mit Todesblicken aus 30 Augen!
Also wer hierher möchte, müsste sich damit arrangieren können mind. einmal die Woche zur Messe zu gehen und sich vielleicht abends mal zum Rosenkranz blicken lassen. Die Schwestern legen da schon Wert drauf, auch wenn es nicht zwingend ist.

Ansonsten habe ich Mo-Sa je von 7.30 Uhr bis 12.30 Uhr und von 16 bis 19 Uhr Schicht. Ist einerseits voll toll wegen der Siesta, andererseits auch ein bisserl blöd wenn man mal einkaufen gehen will, weil man dann genau die zwei Stunden nach dem Essen hat und nicht mehr.

Nach dem Dienst ist es dunkel, was bedeutet, dass Frauen nichts mehr auf der Strasse zu suchen haben. Also mal weggehen oder ein Bierchen trinken oder so kann man sich hier gänzlich abschminken, als Frau sowieso. Das ist das weniger schöne hier, man kann einfach nichts machen. Auch die Krankenschwestern und Schüler sitzten abend für abend einfach nur im Wohnheim und schauen TV. Hobbys oder Sport oder irgendwelche Freizeitaktivitäten kennt man hier einfach nicht.
Also wenn man plant hier länger zu bleiben und nicht unbedingt auf der Suche nach der inneren Ruhe ist sollte man das bedenken und vielleicht doch eine größere Stadt wählen. Die muß aber dann bedeutend größer sein, den auch in der Hauptstadt unseres Landkreises ist es genauso. Dafür braucht man dann schon die Größenordnung von Pune oder dann gleich was ganz großes wie Mumbai oder Delhi für diejenigen die sicher gehen wollen.

So jetzt weiß ich wirklich nichts mehr was euch interessieren könnte.

Ich wünsche euch kuschelige Kachelöfen,

viele sonnige Grüße

Christina

Sonntag, 13. November 2011

13. November 2011

Hallo meine Lieben,

eigentlich gibts nichts Neues zu berichten, dafür versuche ich heute ein paar Bilder hochzuladen, was in Anbetracht der Internetgeschwindigkeit eine enorme Geduldsprobe darstellt.
Also beginnen wir mal mit meiner Behausung:

In meinem Zimmer sind zwei Betten, die ich zu einem gemacht habe. Ein Waschbecken, ein Schrank und ein Tisch mit Stuhl.

Vorher hat es so ausgesehen wie auf dem Bild unten.

Ist eigentlich erst mal alles da was man braucht. Die Matratze ist etwas gewöhnungsbedürftig, da äußerst hart und mit Stroh oder so gefüllt, da sie irgendwie raschelt. Aber habe mich dran gewöhnt :-)



 








Das Datum ist natürlich total falsch. Habe leider die Kamera nicht richtig eingestellt. Seht es mir nach :-)


Das nächste Bild ist auf der Terasse des Sister´s House entstanden, da wo ich wohne. Auf dem linken Gang ist mein Zimmer und mein "Bad".


 
Die Gartenanlage ist sehr gepflegt aber nicht repräsentativ für den Ort in dem es steht. 

Außerhalb der Kloster- und Krankenhausanlage sieht es etwas anders aus. 
Ich habe mich bisher noch nicht getraut das einfach zu fotografieren, da ich die Menschen nicht verärgern möchte. Weiß nicht so genau, wie die das aufnehmen. Ich werde mich mal schlau machen und versuchen ein Paar Bilder für euch festzuhalten.


Nun zur Säuglingsstation:
Erst mal das Stationszimmer:

 
Das Stationszimmer ist für den ganzen Gang gedacht. Dazu gehären neben der Nursary auch noch die Privatpatientenzimmer. Das sind Zweibettzimmer mit Wasseranschluss für das die Patienten selbst bezahlen.
Man beachte die Ofenplatte in der Mitte:
Hier wird Wasser zum Babybaden warm gemacht. Fließend gibts das nämlich hier selten. In dem Wasschbecken rechts werden die Babys dann gebadet.


Das Bild rechts zeigt den Gang dieser Station. Es war gerade Generalputz, daher stehen Betten und Nachtschränke auf dem Gang. 

Was ich hier extrem toll finde, dass die Gänge offen sind. Man fühlt sich als ob man im Freien arbeitet. Das kann man von deutschen Krankenhausklötzen meist nicht behaupten.

Allerdings bekommt man bei Einbruch der Dunkelheit ein echtes Problem mit den Moskitos.
Micht stechen trotz Anti-Mückensprays, -salben und langärmeliger Kleidung am Abend tgl. mind. 3-5. Wenn ich kein Malaria bekomme, dann feier ich ne riesen Party :-).

 Im Hintergrund kann man so manche Angehörigen sehen, die sich auf dem Gang tummeln. Die gehören jedoch nur zu einer Patientin, die auf die Intensivstation (am Ende des Ganges, da wo der rote Schriftzug drüber steht) eingeliefert wurde. Meistens sind die auch mit in den Zimmern.
 So dann zu den lieben Kleinen:

 So siehts nach dem Baden, ölen, pudern aus:
Da werden alle in Reih und glied eingewickelt und entweder zu den Müttern gegeben oder der Arzt kommt zur Visite. Danach dürfen sie dann wieder ins Bettchen.

So, dann natürlich nicht zu vergessen, die unglaublich fürsorglichen Kranken Schwestern :-)

Rechts im Bild meine Wenigkeit und unten eine total nette Kollegin namens Tara.

Was noch interessant ist, hier arbeiten alle mit Mundschutz, auch die Putzfrauen oder Stationshelferinnen und nicht nur auf der
Säuglingsstation.

Dies dient zum Einen dem Eigenschutz und aber auch der Verhinderung von Krankheitsübertragungen.
Man möchte nicht glauben, was sich so im Laufe eines Tages in einem Mundschutzansammelt. Vielleicht ist das gar keine schlechte Idee den immer zu tragen?!


Das Gerät das man im Hinztergrund sehen kann ist die "Phototherapie" für Kinder mit Neugeborenenikterus. Bei uns wird das glaube ich mit Gelblichtbestrahlung therapiert, bin  mir aber nicht sicher.

Davon gibt es zwei Stück und darin liegen bis zu 8 Säuglingen, je nach Bedarf.
Die blauen Augenbinden schützen die Augen der Babys vor den Strahlen.



So und zu guter letzt hier noch ein Bild von einem meiner Saris inklusive mir:



Saris gibts aus allen möglichen Stoffen und in allen erdenklichen Farbkombinationen. Von Neonfarbe bis kunterbunt bis einfärbig oder kariert, alles sieht man.
Die Bluse lässt man sich in der Regel nähen. In meinem Fall sowieso, da es für die europäische Statur keine passenden Blusen gibt.
Ein indischer Sariladen ist ähnlich einem Handtaschen- oder Schuhgeschäft, man könnte immer einen kaufen und außerdem braucht man bestimmt auch zu jeder Handtasche einen passenden :-)

Bis zum nächsten Mal,
viele liebe Grüße,
Christina




Dienstag, 8. November 2011

Herzlich willkommen zum Blog „Mit Ingear in Indien“


Spät aber doch habe ich nun Internet-Zugang. Ich hoffe ab sofort regelmäßig etwas berichten zu können.

Wie der Name schon sagt bin ich über den Verein InGeAr für drei Monate in Indien. Für alle die mich nicht kennen, ich bin Christina, 27 Jahre alt, Krankenschwester und studiere derzeit Lehramt für Gesundheitsberufe an der TU München.  Ich bin seit 10 Tagen hier in Shevgaon (Maharashtra) und arbeite im Krankenhaus NITYASEVA (nähere Infos dazu auf der Homepage von Ingear). Ich bin am 27. Oktober von München nach Mumbai geflogen und von dort (nach 6 h Wartezeit) weiter nach Aurangabad, wo man mich am Flughafen abgeholt hat.  Darüber war ich sehr froh, denn ich hätte es wahrscheinlich nur schwer von dort nach Shevgaon geschafft. Die Busse sind alle auf Marathi beschriftet und für einen Mitteleuropäer ist es anfangs sehr schwer sich hier zurechtzufinden.
Untergebracht bin ich im „Sister´s house“ direkt neben dem Krankenhaus. Ich habe ein Zimmer mit Waschbecken und eine Toilette und Dusche am Gang. Die Dusche besteht aus einem Wasserhahn, einem Eimer und einem Messbecher. Klingt aber schlimmer als es ist, es geht auch so.

Nun zu meiner eigentlichen Arbeit hier:
Ich bin derzeit auf der Säuglingsstation eingesetzt, da das Sprachproblem hier noch am geringsten ist. Die Krankenschwestern und die Ärzte sprechen alle Englisch, wenn auch unterschiedlich gut. Die Inder verleihen der englischen Sprache einen Akzent, der sie zu Teil kaum wiedererkennen lässt, aber mit der Zeit hat man sich auch ins Marathenglisch "eingehört".
Es fehlt hier in detschen Augen total an Ge- und Verbrauchsmataerialien für die Pflege. So gibt es keine Handschuhe, nur für sterile Verbandswechsel. Und das sind Gummihandschuhe, die gewaschen, getrocknet, gepudert und in Leintücher eingeschlagen werden. Es gibt kein Hände- und kein Schleimhautdesinfektionsmittel. Das gute alte Octeniderm wird hier durch Spiritus ersetzt. Sterile Einwegspritzen und Branülen gibts schon. Auch ist die Frühchenstation mit einem Inkubator ausgestattet. Leider gibt es jedoch keinen Monitor oder irgendeine Überwachung (Pulsoxis oder so). Das fehlt in meinen Augen total.Es wird Sauerstoff verabreicht ohne die Sättigung zu kennen. Gerade bei Frühgeborenen ist es ja auch schädlich, wenn diese eine zu hohe Sättigung haben. Also das alles gilt bisher für die Säuglingssattion, bei den Anderen weiß ich es noch nicht
Ansonsten gehts den Babys schon gut, man sorgt sich total lieb um sie. Die Schwestern und Pfleger machen hier im Rahmen ihrer Möglichkeiten eine sehr gute Arbeit.
Gewöhnen musste ich mich auch erst mal an die Vielzahl von Angehörigen, die Tag und Nacht in den Zimmern, vor den Zimmern oder auf den Gängen rumlaufen, auf dem Boden sitzen, schlafen, essen usw. Die Patienenten bekommen hier keine Mahlzeiten, also bringen das die Angehörigen mit. Dementsprechend ausgerüstet laufen die hier auf. Auch pflegen muss man hier eigentlich keinen so wie in Dtl. Das übernehmen ebenfalls die Angehörigen. Was sehr angenehm ist, ist das niemand klingelt ;-), weil es keine Patientenrufanlage gibt. Dafür stehen die Angehörigen vor dem Stationszimmer Schlange. Für mich war das anfangs ein riesen Problem, weil mich alle mit ihren Anliegen einfach angesprochen haben und davon ausgegangen sind, dass ich natürlich Marathi kann. Da half auch alles Kopfschütteln nix. Nun kann ich aber schon einen Satz, und der hilft vorerst mal ungemein: Mi Marathi bolat nahi (Ich spreche kein Marathi). Tut mir zwar immer sehr leid, weil die dann immer ganz enttäuscht schauen, aber hilft ja nix.
Die Menschen hier allgemein sind sehr nett und aufgeschlossen. Angehörige holen mich ab und zu für leicht deutbare Tätigkeiten (z. B. Infusion abstöpseln oder so). Die nehmen mich einfach an der Hand mit ins Zimmer und deuten dann und bedanken sich immer sehr nett und lachen mich an (oder aus, ich deute es als anlachen :-))Klappt bisweilen meistens. Aber ich finde es sehr nett, dass sie mich ignorieren und mich einfach mitnehmen.

Ansonsten kann ich vom Krankenhaus selbst noch nicht viel mehr berichten. Ich darf hier alle Bereiche mal ansehen, sofern ich mag. Nun mag ich aber noch ein bisserl bei den Babys bleiben, weil die erstens total süß sind und zweitens kein Marathi sprechen. Ansonsten gibts noch eine normale Gyn-Station, eine Chirurgie, eine Innere, eine Notaufnahme, einen OP und eine extra Station für TBC-Erkrankte in einem extra Haus und für alle Freunde der beruflichen Bildung eine Krankenpflegeschule.
Außerdem hat man mir angeboten auch weitere Krankenhäuser dieses Ordens zu besuchen, wenn ich mag. Und ein Projekt der Dorfsozialarbeit kann ich ebenfalls begleiten.
Alles das werde ich aber erst anpeilen, wenn die zweite Deutsche, die hier derzeit verweilt aus ihrem Urlaub zurück ist. Ich kenne sie zwar noch nicht, aber sie hat bestimmt auch an dem ein oder anderen Projekt Interesse.
Wenn jemand was bestimmtes wissen möchte, einfach jederzeit immer gerne Fragen.

Ansonsten verabschiede ich mich für heute, grüße die bayrische Heimat ganz lieb und hoffe bald wieder schreiben zu können.

Bis bald, eure Christina