Montag, 5. Oktober 2015

साडी

Hallo alle zusammen,


einen ganz herzlichen Gruß aus Shevgaon. Jetzt ist schon wieder eine Woche vergangen und inzwischen bin ich schon seit einem Monat hier. Ein Drittel meiner Zeit ist also schon vergangen...fast unvorstellbar.
Mir geht es weiterhin ausgesprochen gut.

In der letzten Woche habe ich eine grüne Chilli-Bohne für eine Grüne Bohne gehalten (die es hier nämlich auch sehr oft gibt) und sie lockerflockig verspeist. Leider war das keine gute Idee, denn das hat mich für einen Tag wirklich außer Gefecht gesetzt. Die Nonnen haben mir dann eine strenge Diät verordnet und ganz genau darauf geachtet, welche Sachen ich essen darf und welche nicht. Und extra für mich Milchreis und Kartoffeln gekocht. Darum ging es mir auch sehr schnell wieder besser. Und ich wusste ja auch, dass es an dieser Chilli-Bohne lag.


Meine Woche im Kreißsaal verlief ganz normal. Wieder gab es sehr viele Geburten und wieder habe ich darüber gestaunt, wie schnell und meist unkompliziert die Frauen hier entbinden. Manchmal ist der Kreißsaal leer, obwohl eigentlich neun Frauen „unter der Geburt sind“. Aber sie kommen wirklich nur auf ein Kreißbett, wenn die Zeit reif ist, oder es aus irgendeinem Grund erforderlich ist. Ansonsten warten sie einfach vor dem Kreißsaal mit ihren Angehörigen, was da kommen mag. Außerdem ist mir aufgefallen, dass die Arbeitsweise im Kreißsaal hier wirklich sehr entspannt ist. Schon allein die Gangart ist sehr gemächlich und niemals zu schnell. Da komme ich wirklich aus einer ganz anderen Ecke, denn die Hebammenausbildung in Deutschland ist schon doch ziemlich auf Schnelligkeit, Akkuratheit und Fleiß ausgelegt. Aber natürlich kann man weder alle indischen, noch alle deutschen Hebammen über einen Kamm scheren. Ich werde jedenfalls einfach versuchen, ein bisschen von der, hier hochangesehenen, Gelassenheit mit nach Deutschland zu nehmen.




Am kommenden Samstag ist hier in der Kirche ein großes Fest. Darum findet jeden Abend um 18.30 Uhr ein Gebet statt. Außerdem sind immer wieder Besucher im Kloster, die mit den Nonnen essen und beten. Und weil das anstehende Fest wirklich ganz schön groß ist, sind alle irgendwie ein bisschen aufgeregt und auch angespannt. Das ist nicht schlimm….vielmehr liegt einfach irgendetwas in der Luft.
Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie das wird und werde dann davon erzählen.

Außerdem habe ich gestern eine sehr erfolgreiche Einkaufstour hinter mich gebracht. Die erfolgreichste seit meiner Ankunft hier. Davor habe ich mir einen kleinen Zettel geschrieben, was ich alles brauche und möchte. Und vor allem: Wie das ungefähr aussehen soll. Hier ist es nämlich immer gut zu wissen, was genau man sucht, weil man sonst zwischen den 100000 Möglichkeiten untergeht. Andererseits darf man aber auch keine zu großen Vorstellungen haben, weil es das, was man möchte, nie so richtig gibt (außer natürlich zum Beispiel die getrockneten Datteln aus beispielsweise dem kleinen Geschäft gegenüber der Busstation).




Auf jeden Fall habe ich jetzt endlich meinen ersten, eigenen Sari. Den zu kaufen, war gar nicht so leicht, weil ich eben ungefähr wusste, welche Farben ich suche. Aber grün ist nicht gleich grün und blau nicht gleich blau und so ein Sarivorrat in den shevgaonischen Geschäften riesig. Aber schlussendlich habe ich den richtigen gefunden und das Material für entsprechende Oberteile zum Nähen gegeben. Wenn alles gut geht, kann ich ihn also am Samstag gleich mal anziehen. Und wenn ich ihn mir so ansehe, dann denke ich wirklich, dass da noch der ein oder andere Sari dazukommen wird. In jedem Fall werde ich aber auch dafür wieder Hilfe brauchen. Vielleicht wird das mit jeder Woche besser, aber gerade könnte ich mir nicht vorstellen, allein auf eine Shopping-Tour nach Shevgaon aufzubrechen. Ich wäre einfach total überfordert und würde wahrscheinlich überall viel zu viel bezahlen. Und zu zweit macht es eh auch mehr Spaß.



Viele Grüße aus Indien,

Sophie

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