Montag, 26. Oktober 2015

Oktoberzeit in Shevgaon

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,


es tut mir sehr leid, dass mein letzter Eintrag nun schon so lange her ist. In den letzten Wochen war ich sehr viel unterwegs, habe viel gearbeitet und, da ich eben auch Daten für meine Bachelorarbeit sammle, viele Dinge notiert, erfasst und erhoben. Das nimmt auch immer einige Zeit in Anspruch.


Auf jeden Fall geht es mir hier nach wie vor sehr gut.

Vor zwei Wochen war ja hier das große Kirchenfest. Yatra. Oder auch allgemeiner gesagt: Feast. Das war sehr schön. Einmal, weil ich das erste Mal meinen eigenen Sari anziehen konnte, der ausgesprochen bequem war, und dann, weil es einfach ein typisches, indisches, katholisches Fest war. Neben sehr viel Predigten, Danksagungen und eine Unmenge an kleinen Shops, die rund um die Kirche aufgebaut waren, gab es natürlich auch sehr viel gutes Essen. Außerdem waren viele Besucher da, mit denen ich mich ausgesprochen ausführlich über meine Zeit hier unterhalten habe. Das indische Englisch verstehe ich nämlich inzwischen sehr gut.

Dann kamen, für mich völlig überraschend, vier deutsche Gäste zu Besuch. Sie waren für vier Tage hier im Kloster und haben sich das Krankenhaus angesehen. Einer von ihnen reist regelmäßig nach Indien, um sich die verschiedenen Projekte anzusehen, die er unterstützt und hat zwei Freunde als Reisebegleitung mitgebracht. Der Vierte hat eine Kooperation mit Sister Hilda gestartet, die beinhaltet, dass ab voraussichtlich 2017, Krankenpflegeschüler aus Deutschland hier ein mehrwöchiges Praktikum absolvieren können. Bestimmt werden Freiwillige, die in dieser Zeit hier sind, später davon mehr berichten.
Auf jeden Fall hat es mir sehr gut getan, ein wenig mit „Landsleuten“ über meine Arbeit und meine Erfahrungen hier zu reden. Auch, wenn es ja im sehr großen Teil sehr gute Erfahrungen sind, tut ein gewisser Austausch immer gut.
Sie waren übrigens sehr von dem neuen Labor beeindruckt, was ja auch mit viel Hilfe von INGEAR entstanden ist. Ich habe dann gleich ein bisschen mehr darüber erzählt und soll allen Beteiligten auch von ihnen ein herzliches Dankeschön aussprechen.

Morgenverkehr in Ahmadnagar


In den nächsten Tagen sind wir dann zu fünft ein bisschen herumgereist. Ich habe nun Aurangabad, Ahmadnagar und Pune besucht und muss wirklich sagen, dass mir alle drei Städte ausgesprochen gut gefallen haben. Natürlich hat sich auch die ein oder andere Shoppinggelegenheit ergeben, sodass ich inzwischen stolze Inhaberin von drei Saris, fünf indischen Oberteilen, sehr viel Schmuck, klassischen, indischen Flipflops (die man hier wirklich braucht) und vor allem auch Ohrenstäbchen und Schokolade bin.
Auf den Hin-und Rückwegen haben wir außerdem in ganz verschiedenen Orten Pause gemacht und dort neben einem Tee auch immer das dort ansässige Projekt vorgestellt bekommen. Das war auch sehr interessant. Ein Projekt hat sich zum Beispiel mit Wassergewinnung beschäftigt. Gerade hier wird das immer mehr zum Thema. Seit mehr als einem Monat hat es nicht geregnet und alle warten verzweifelt auf die ersten Tropfen.

Weitere Verkehrsteilnehmer...


Nun ist also schon mehr als die Hälfte meiner Zeit hier vergangen und das kann ich kaum glauben. Aber vor mir liegen noch vier weitere Wochen und darüber bin ich gerade sehr froh. Bis zum Ende dieser Woche werde ich noch im Kreißsaal sein. Die nächste Woche verbringe ich dann in Pathardi. Eine Freiwillige hat in einem anderen Blog schon mehr darüber berichtet. In Pathardi leiten drei Nonnen eine Art Geburtshaus. Trotz der relativ kleinen Größe, kommen dort jährlich 3500 Kinder zur Welt. Es ist wirklich Wahnsinn, was die Schwestern dort leisten. Es gibt keine Operationsmöglichkeiten und nur sehr wenig elektronische Geräte, die unter der Geburt Verwendung finden. Für mich als Hebamme ist das natürlich eine einmalige Chance, sehr viele Dinge zu sehen und zu lernen, weil das Personal dort das Allermeiste allein meistert. Nur im Notfall oder, wenn es nicht anders geht, werden die Patientinnen dann in ein anderes Krankenhaus verlegt (zum Beispiel hierher nach Shevgaon). Ich freue mich auf jeden Fall sehr auf die Zeit dort und bin gespannt.
Danach bin ich für eine Woche auf der Wochenbettstation hier im Nityaseva Hospital, bevor ich dann die letzten Tage damit verbringen werde, mit den Social Workers in die angrenzenden Dörfer zu fahren und sie bei ihrer Gesundheitsarbeit zu begleiten.
Von meinen Erlebnissen dort berichte ich dann natürlich zu gegebener Zeit.

Ich kann wirklich nur immer wieder sagen, dass die Zeit hier wie im Flug vergeht und jeden Tag etwas passiert, was neu, anders oder unvorhergesehen kommt. Aber eben im positiven Sinne.


Viele Grüße aus dem 35 Grad Shevgaon,


Eure Sophie

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